Ilse Lieblich als junge Frau. Foto aus dem Internet ohne Angabe des Fotografen.
Eine weitere Station in ihrem Leben war eine Anstellung in einem Hannoveraner Krankenhaus. Da die Nationalsozialisten schon zu der Zeit die jüdischen Bürger als „nichthinnehmbare Menschen“ ansahen, spürte auch Ilse die fortschreitende Distanz zu ihren Kollegen und Mitmenschen. Sie wurde aufgefordert, ihre Arbeitsstelle im Krankenhaus in Hannover zu verlassen. Sie versuchte in Berlin Fuß zu fassen. Doch auch hier machte sie 1934 die Erfahrung, dass man als Jüdin nicht bleiben konnte. Ihr großes Pech war zudem, dass sie in einem Brief, der abgefangen wurde, sich abfällig gegenüber Hitler geäußert hatte. Jetzt gab man ihr zu verstehen, schnell das Land zu verlassen.
Für sie war dann klar, dass sie innerhalb weniger Tage Deutschland verlassen musste. Vermeintliches Ziel waren ihr Onkel und Bruder in Portugal. Sie erreichte 1934 als 20jährige junge Dame das für sie fremde Land Portugal mit dem Schiff, natürlich ohne dortige Sprachkenntnisse. Ihr Bruder konnte für sie eine Notunterkunft vermitteln. Hilfsjobs und Deutschunterricht für Portugiesen brachten sie durch den Alltag.
Ihr Bruder, der schon teilweise in dem fremden Land angekommen war, begleitete die junge, teilweise revolutionäre Schwester. So lernte sie dort auch Armenio Losa, einen Architekten, kennen. Schon 1935 entschieden sie sich, zu heiraten. Durch die Ehe war sie dann eine portugiesische Bürgerin geworden.
Der portugiesische Staat regelte erst 1938, wie mit den über 50.000 Flüchtlingen aus Deutschland verfahren werden sollte. Für Ilse, jetzt Ilse Losa, bedeutete dass, dass sie bleiben konnte. Ihr Bruder hatte nicht das Glück, erhielt keine Einbürgerungsgenehmigung und wurde immer wieder inhaftiert. Das Schicksal sollte ihn aber vor dem Schlimmsten bewahren, er schaffte später die Ausreise in die Vereinigten Staaten.